Lohnt sich noch das Sparen für die Altersversorgung?

17. Dezember 2012 - 17:12
Dipl.-Volkswirt Jörg Röding (Leiter Vorsorgemanagement, Mitglied der Geschäftsleitung)

Warum überhaupt noch für das Alter sparen – bei den Zinsen? Kaum etwas anderes wird ak-tuell mehr diskutiert, als die Frage, ob sich das Sparen und speziell das Altersvorsorgesparen überhaupt noch lohnt. Immer wieder wird von den vermeintlich schlechten „Renditen“ des Vorsorgesparens gesprochen. Ob es die Riesterente, eine betriebliche oder eine private Rentenversicherung ist – eigentlich lohnt sich alles nicht. Besser, man gibt sein Geld aus. Das ist zumindest die Meinung von einigen Medien und von so genannten Verbraucherschützern.

Ein besorgniserregender Trend macht sich in den Gedanken der Bundesbürger breit. In einer Allensbach-Studie wurde jüngst festgestellt, dass das Interesse an Altersversorgung sinkt. Die Krise im Euro-Raum bewirkt eine stark nachlassende Bereitschaft, Geld für Altersversorgung auszugeben. Die Medien, aber auch viele Bundesbürger, lassen sich hier stark von Emotionen leiten. Die europäische Schuldenkrise wird auf die persönliche Ebene projiziert. Sicher ist eines: Die Anlagerenditen speziell bei den „sicheren“ Anlagen sind in den letzten 10 Jahren stark zurückgegangen. Warfen festverzinsliche Wertpapieren vor 10 Jahren noch ca. 5% p.a. ab, so muss man sich heute mit teilweise deutlich unter 2% zufrieden geben. Diese Entwick-lung ist auch an der deutschen Lebensversicherungswirtschaft nicht vorüber gegangen.

Bei den Überlegungen zur Altersversorgung sollten die Emotionen aber weitgehend ausge-schaltet werden. Zum Einen hat die so gescholtene deutsche Lebensversicherungswirtschaft die zurückliegenden Krisen exzellent gemeistert. Viele Versicherer erzielen trotz der Zinsmarktkrise immer noch Nettoverzinsungen von deutlich über 4%, wovon der größte Teil an die Versicherten weitergegeben wird. So liegt die durchschnittliche Gesamtverzinsung der bestehenden Lebensversicherungen im Jahr 2012 immer noch bei ca. 3,8%. Eine Rendite, die sich sehen lassen kann! Des Weiteren sollte nicht unberücksichtigt bleiben, dass viele versicherungstechnische Vorsorgearten steuerlich gefördert werden, so dass die tatsächlich erzielte Rendite immer noch vielen anderen Anlageformen überlegen ist. Die Frage aber, welcher Zins beim Vorsorgesparen erzielt wird, sollte letztlich nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Denn: Ob eine Rendite von 4% oder 5% erzielt wird, entscheidet später nur darüber, ob als Rentner ein VW Golf oder ein VW Polo gefahren wird. Die Beantwortung der grundsätzlichen Frage aber, ob es Sinn macht, für das Alter zu sparen oder nicht, entscheidet darüber, ob das Einkaufen oder der Arztbesuch später mit dem eigenen Auto oder dem Bus erledigt wird.

Fazit: Die Altersversorgung ist beileibe nicht in der Krise. Alle Beteiligten sollten sich in Fragen der Altersversorgung weniger von finanzwirtschaftlichen Fragestellungen leiten lassen, sondern vielmehr von sozialpolitischen. Es geht nämlich tatsächlich bei der Altersvorsorgediskussion weniger um Renditen, sondern vielmehr um Existenzen. „Golf oder Polo“ ist nicht existenziell. Mehr Rationalität und weniger Panikmache ist angesagt. Und hier sind alle gefor-dert: Die Politik, die Vorsorgeberater und letztlich natürlich die Verbraucher als Nutznießer oder aber Geschädigte dieser Diskussion.

 

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