Abschied vom Garantiezins = Ende der Lebensversicherung ?

10. Juli 2013 - 10:03

Und wieder wird die Lebensversicherung „medial durchs Dorf getrieben“. Nun scheint das Ende der klassischen Lebensversicherung tatsächlich da zu sein: Die Versicherer verabschieden sich von Garantien. Und der arme Endkunde muss „die Suppe auslöffeln“.

Für die Medien sind die jüngsten Produktankündigungen der Lebensversicherer wieder einmal „gefundene Fressen“, um auf die bereits schon so gescholtene Lebensversicherungsbranche weiter einzuprügeln. Und tatsächlich: Die Lebensversicherer haben neue Produkte ohne Garantiezins angekündigt. Das ist nun das Aus der Lebensversicherung, so konstatieren zumindest die einschlägigen Medien. Nachdem erst kürzlich Ergo eine Lebensversicherung ohne Garantieverzinsung ankündigte, legt nun Marktführer Allianz mit einem ähnlichen Produkt nach. Die Versicherer reagieren damit auf die historisch niedrigen Zinsen. Die Renditen aus festverzinslichen Wertpapieren, die traditionell den Anlageschwerpunkt der Lebensversicherer bilden, reichen heute nicht mehr aus, um langfristig die Garantieverpflichtungen zu erfüllen. Und: Die Spielräume der Anlagemanager sind in den klassischen Produkten aufgrund der gesetzlich geregelten Anlagevorschriften extrem begrenzt.

Aber bedeutet der Verzicht auf den Garantiezins tatsächlich eine schlechtere Gesamtperfor-mance des Anlagemediums Lebensversicherung? Jeder, der sich etwas im Kapitalanlagegeschäft auskennt, weiß, dass es Garantien nicht umsonst gibt. Mehr Sicherheit ist zwangsläufig mit geringeren Renditechancen verbunden. Umgekehrt bedeutet also ein „Verzicht“ auf etwas Sicherheit auch höheren Renditechancen.

Die Allianz rechnet in Ihrem neuen Produktkonzept, welches den schönen Namen „Perspektive“ trägt, den Vorteil klar vor.  Da keine Rückstellungen für die Erfüllung eines Garantiezinses gebildet werden müssen, kann der daraus resultierende Kostenvorteil an den Endkunden weitergegeben werden. Das führt dann dazu, dass das zum Ablauf zur Verfügung stehende Gesamtkapital höher als bei einem klassischen Garantieprodukt ausfällt. Außerdem hat der Anlagemanager bei dem neuen Produkt andere Investitionsmöglichkeiten. So darf z.B. die Aktienquote höher sein als bei der klassischen Lebensversicherung.

Nach Angaben der Allianz läge die laufende Überschussbeteiligung für das Produkt „Perspektive“ zu den aktuell geltenden Bedingungen am Kapitalmarkt in diesem Jahr bei 3,7 Prozent und damit um 0,1% höher, als bei der klassischen Lebensversicherung. Noch größer ist der Unterschied bei der Gesamtverzinsung, in die beispielsweise noch der Schlussüberschuss miteinfließt. Das neue Produkt „Perspektive“ käme hier auf 4,5 Prozent, die klassische Lebensversicherung nur auf 4,2 Prozent.

Übrigens: Im Produkt „Perspektive“ wird immer noch garantiert, dass mindestens die eingezahlten Beiträge erhalten bleiben. Ein echtes Verlustrisiko besteht also nicht, auch wenn diese Garantie unter Inflationsgesichtspunkten natürlich langfristig zu einem realen Verlust führt.

Fazit: Die Abkehr vom Garantiezins führt mitnichten zum Ende der Lebensversicherung! Vielmehr bietet die neue Produktwelt den Altersvorsorgesparern neue Chancen und neue Entscheidungsoptionen, da die alte garantiebasierte Produktwelt der Versicherer den Kunden auch noch eine längere Zeit erhalten bleiben wird.

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