Bombenfund aus dem Zweiten Weltkrieg!

18. Februar 2016 - 16:51

Auch sieben Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges werden beinahe täglich bei Erdarbeiten Kampfmittel aller Art gefunden. Ein Grund hierfür sind immer weiter zunehmende Baumaßnahmen in den Innenstädten. Obwohl die Mehrzahl der Bombenfunde aus der Zeit bis 1945 unschädlich gemacht wird, kommt es dennoch immer wieder zu Explosionen von Bombenblindgängern und in deren Folge zu Verletzungen, zum Teil mit Todesfolgen.

Vollständig vorbeugen kann man nicht, da es aus vielerlei Gründen sehr aufwendig oder gar unmöglich ist, das gesamte Stadtgebiet vorsorglich auf eine mögliche Kampfmittelbelastung zu untersuchen. In der Regel wird jedoch speziell im Vorfeld von Baumaßnahmen eine Luftbildauswertung durchgeführt, um evtl. vorhandene Bombenblindgänger zu finden.
Auf den Luftbildern des Zweiten Weltkrieges sind neben den bombardierten Bereichen oftmals auch die Einschlagspunkte möglicher Blindgänger erkennbar.

Diese werden freigelegt, identifiziert und falls möglich geborgen. Ist das nicht möglich, muss es "entschärft" werden oder – falls auch das nicht möglich ist – noch an der Fundstelle durch eine gezielte Sprengung zerstört oder unschädlich gemacht werden. In den Nachrichten wird in diesem Zusammenhang oft auch von umfangreichen Evakuierungsmaßnahmen berichtet.

Die in Einzelfällen entstehenden Mehrkosten für eine erschwerte Suche oder Bergung können teilweise zu Lasten des Grundstückseigentümers/-besitzers gehen, da dieser verantwortlich für Gefahren ist, die von seinem Grundstück ausgehen. Das heißt, dass die Ordnungsbehörde zur Gefahrenabwehr ggf. Maßnahmen gegen den Eigentümer/Besitzer zu dessen Lasten veranlassen kann bzw. muss.

Die Einhaltung der gesetzlichen und behördlichen Vorgaben und Anweisungen bei Bombenfund sind bis zur Kampfmittelfreigabe zu befolgen. Die strafrechtliche und zivilrechtliche Verantwortung für jeden Baubeteiligten muss diesem bewusst sein.
Deshalb ist der Prävention im Vorfeld einer Baumaßnahme ebenso großes Augenmerk zu widmen wie der permanenten Vorsicht während der Ausführung von Bauleistungen, durch die in irgendeiner Form in den Baugrund eingegriffen wird.

 
Besteht Versicherungsschutz wenn ein Bombenblindgänger explodiert?

In den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (kurz AVB) der Feuerversicherung ist u.a. der Ausschluss "Krieg" festgelegt. Die Frage ist, ob bei einem Explosionsschaden durch einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg dies in den Anwendungsbereich des vorgenannten Kriegsausschlusses fallen kann.

Nach gängiger Rechtsprechung und Regulierungspraxis der Versicherungsgesellschaften stellt die Explosion eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg kein Kriegsereignis im engen Sinne mehr dar. Deshalb fällt dieses Ereignis auch nicht in den Anwendungsbereich der Ausschlussklausel in den Versicherungsbedingungen. Es besteht somit Versicherungsschutz.

Reguliert werden alle Sachschäden (z.B. an dem Bauvorhaben, an Baumaschinen, an Gebäuden, am Inventar) im Rahmen der Bedingungen, wenn diese gegen Feuer/Explosion versichert sind. Gleiches gilt auch für Feuer-Unterbrechungsschäden. Werden Kraftfahrzeuge beschädigt, besteht Versicherungsschutz über die Kaskoversicherung.

Noch ein Hinweis für Grundstückseigentümer / Bauherrn / Auftraggeber / Bauunternehmen zu möglichen Haftpflichtansprüchen:
Eine schädigende Handlung durch Herbeiführen bzw. Nichtverhindern einer Explosion kann auch in einem Unterlassen liegen. Daher empfehlen wir, dass eine Kampfmittelfreigabe des Baugrundstücks samt Baubereich nicht auf Basis von Vermutungen erfolgen soll.

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